Sprachaufenthalt in Cheltenham
Fabienne AlfandariVor meinem Sprachaufenthalt sprach ich überhaupt nicht flüssig Englisch, mein Wortschatz liess zu wünschen übriig und die wichtigsten Ausdrücke der Sprache waren mir noch unbekannt. Immer wenn mich jemand gefragt hat, ob ich Englisch spreche, habe ich mit “Ja, aber…” geantwortet. Aber Optimisten geben ja bekanntlich nicht auf und sehen in jedem Problem einen Weg zur Besserung.
Der Entscheid
Bei ESL fand ich den besten “Weg zur Besserung”. Der Vorschlag war, einen Kaderkurs zu besuchen. Das heisst, keine Shakespearelektüren bis zum Umfallen lernen, sondern an “Business und Marketing” Kursen teilnehmen, welche mir im Umgang mit meinen Kunden hilfreich sein werden. Ich hatte sogar die Möglichkeit, bei einer vegetarischen Gastfamilie zu wohnen. Das Einzige, was mir Sorgen bereitete, war das Flugticket, denn alles musste in sehr kurzer Zeit über die Bühne laufen.Vor Ort hat mich ein Taxi am Flughafen abgeholt und mich zu meiner Gastfamilie gefahren. Im Taxi wurde ich direkt ins kalte Wasser geworfen. Ich war nun auf mich alleine gestellt, in einem fremden Land und mit einer fremden Sprache.
Die Gastfamilie
Wie mir bereits versichert wurde, war die Gastfamilie sehr symphatisch. Das Paar, bei dem ich gewohnt habe, hat sich sehr Mühe gegeben langsam und verständlich zu sprechen. Das Zimmer, in dem ich gewohnt habe war typisch englisch. Mit einer Steppdecke mit Spitzen, einem Wandteppich mit einer Blume darauf und ein eigenes Badezimmer. Welch ein Luxus!
Cheltenham
Am Montagmorgen war mein erster Schultag. Cheltenham ist eine kleine Stadt. Mit den öffentlichen Transporten, die sehr preisgünstig sind, kann man sich einfach fortbewegen. Fast besser als zu Fuss. Zu Fuss hat man den Vorteil, dass man die Gegend ein bisschen kennenlernt. Es dauert circa zwanzig Minuten. Der Weg führt übers Land, durch die Vorstadt und durch typisch ländliche Häuserreihen, die alle mit schönen Gärten besitzen. Jeder Garten ist auf seine Art schön und wird von jeder Familie mit Sorgfalt gehegt und gepflegt. In England sind die Kontraste erstaunlich. Man sieht neben extrem modernen und innovativen architektonischen Bauten extravagante Häuser, die ihren Wert und ihre Schönheit über Jahrhunderte bewahrt haben. Mir kommt es in diesem Moment so vor, als lebte ich in einem anderen Jahrhundert, so als sei die Zeit hinter den Landschaften stehen geblieben. Als wäre es ein Land, dass nie im Krieg gefochten habe und nie von niemandem und keinem besetzt wurde.
Die Schule
Die Schule lag in einer Häuserreihe, in einem schmalen Gebäude aus zwei Etagen. Ein typisches Stadthaus der Region. Diese Woche haben fünf neue Schüler an den Kursen begonnen. Der Direktor hat uns mit sehr viel britischem Humor Willkommen geheissen, ein bisschen abgehoben und mit trockenem Humor. Am ersten Tag haben wir einen Einstufungstest absolviert, damit wir in die unserem Niveau entsprechende Klasse eingeteilt werden konnten. In einem persönlichen Gespräch wurde uns zusätzlich ein persönliches Programm ausgeteilt.
Die Kurse
Ich werde jeden Morgen einen Tandemkurs mit einem Schüler aus Spanien haben. Am Nachmittag werde ich mit fünf weiteren Studenten aus Tschechien, Deutschland und der Deutschschweiz im Kurs sein.Die Grammatik- und Vocabulairekurse finden am Morgen statt. Übungsaufgaben, mündliche Übungen und Hörverständnisaufgaben finden am Nachmittag statt. Die Hausaufgaben, die wir erteilt bekommen, erlaubten uns in der ganzen Woche einem bestimmten Rhytmus zu folgen.
Was mir an der Schule besonders gefiel waren die praktischen Übungen und das die Lehrer sehr auf die Schüler eingegangen sind. In dieser Woche konnte ich meine Sprachkenntnisse sehr erweitern und mehrere Stunden Englisch praktizieren. Viele Schüler waren für zwei oder drei Jahre an der Schule. Die Hauptthemen in der Schule waren der Verkauf, der Handel, Marketing, die Bank und Projektarbeiten, welche unserer Gruppe eine gewisse Dynamik verlieh. Wir beschäftigten uns im Unterricht auch mit Themen wie mit der Politik, dem sozialen Leben und den Sitten und Bräuchen des Landes, was manchmal sehr lustig war. Am Mittwoch haben wir uns mit den Lehrern auf den kommenden Donnerstagabend vorbereitet. Wir mussten ein Rollenspiel vorbereiten, mit dem Ziel, ein Hotel in London zu übernehmen und es zu entwickeln. Man musste den Typ des Hotels bestimmen, das Zielpublikum, die Innenausstattung, die Tarife usw… Wir sassen an einem Rundtisch und diskutierten unsere Ideen. Es war schwierig, mit jedem einer Meinung zu sein, was uns veranlasste starke Argumente und ein gezieltes Vocabulaire zu gebrauchen.
Freizeit
Die Schule bot uns ein breites Freizeitprogramm an. Wir gingen in einer Gruppe in ein indisches Restaurant essen, haben “Skittles”-Parties gefeiert, Bowling gespielt oder in einer gemütlichen Bar braunes Bier genossen. In der Freizeit konnten wir gut unsere Sprachkenntnisse trainieren.
kleine, aber feine Mahlzeiten
Die Mahlzeiten, die ich bei meiner Gastfamilie erhielt waren besser als im 4-Stern Hotel, über die Rezepte jedoch, hat die Gastfamilie kein Wort über die legendären englischen Rezepte verloren. Ein Küchengeheimnis, wie man so schön sagt. Wir haben oft mit Freunden von der Familie gegessen, alle Architekten. Es war sehr angenehm. Wir unterhielten uns über die verschiedenen Städte, Kunst, die Literatur, das Kino… Ich konnte den Diskussion sehr gut folgen, was mich positiv überraschte. Und das nach nur einigen wenigen Tagen in einem fremden Land. Das einzige was mich etwas erstaunte war, dass die meisten Serviertöchter in den Restaurants und Hotels Französisch sprachen! Der Grund dafür war, dass die Arbeitslosigkeit in Frankreich sehr hoch ist und viele in das Gast- und Hotelgewerbe in England arbeiten gehen. Dort wo die Lebensqualität und das Arbeitsverhältnis einen viel höheren Standard aufweist, als in Frankreich.
Verabredung für das nächste Jahr
Am Ende des Sprachaufenthaltes wurden uns mit feierlicher Rede und vollem Humor des Direktors die Sprachdiplome verliehen. Vor der Abreise haben wir untereinander die Emailadressen ausgetauscht. Ein bisschen Wehmut des Abschiedes wegen breitete sich aus. Wir werden uns alle wieder sehen, am gleichen Ort, ein Jahr später…Fabienne
