Hola de Costa Rica

Adrienne Giroud

Die Reise

Hallo ihr lieben Landsleute!
Die Abreise war fürchterlich. So weit von zu Hause weg zu sein, war für mich einfach unvorstellbar. Aber die Reise hat sich gelohnt. Mein Flug startete in Genf und führte mich über Paris. In Paris angekommen hatte ich 30 Minuten Zeit um das Terminal und das Flugzeug zu wechseln. Ich hatte Pech, an diesem Tag war der Flughafen voller Leute, es gab intensive Sicherheitskontrollen, zudem begann ein Mann mit einer intensiven Diskussion. Er war äusserst motiviert, ja er begann richtig zu diskutieren. Er fragte mich wohin meine Reise gehe. Ich gab ihm Antwort. Schliesslich wollte er die Absicht meiner Reise erfahren. Ich gab ihm Antwort. Zehn ganze Minuten lang habe ich ihm zugehört. Er war der Meinung, dass er Leute wie mich nicht möge, man solle nicht den Humanitären spielen und sich nicht in die Angelegenheiten eines Landes wie Costa Rica einmischen. Ansichtssache, dachte ich. Und prompt habe ich meinen Flug verpasst. Lektion n°1, hören Sie nicht auf beredte Flughafenangestellte, die in europäischen Flughäfen arbeiten und keine Ahnung vom Reisen haben.
Noch bevor wir in Atlanta gelandet waren, fürchtete ich die Sicherheitskontrolle. Aber nein. Alles verlief muy tranquilo. Ich kam um circa ein Uhr morgens bei meiner Gastfamilie an.


Geschockt!

Der erste Schock war der Verkehr. Keine Verkehrsampeln, keine Strassenbezeichnungen. Wenn du in der Stadt einen bestimmten Ort suchst und nach der Richtung fragst, bekommt man zur Antwort „also beim letzten Supermarkt musst du zweimal links abbiegen, dann alles geradeaus laufen, nochmals zweimal links, und voila, da bist du“. Der zweite Schock waren die vielen Drahtzäune, die sich durch die ganze Stadt zogen. Und als ich mich danach erkundet habe, fand ich heraus, dass die vielen Drahtzäune gegen Diebstähle schützen sollen, da Diebstahl für viele Einwohner der Stadt die einzige Überlebenschance sei.


Die Schule und meine Gastfamilie

Die Schule liegt auf einem Hügel, nicht weit weg vom Stadtzentrum. San José ist riesig. Mir gefällt die Stadt vor allem in der Nacht, stellen Sie sich ein riesiges Lichtermeer vor, einfach unglaublich! Obwohl die Sonne scheint, sind die Temperaturen in San José recht niedrig. Die Leute hier frieren andauernd. Die Sonne steht morgens um 8 schon hoch am Himmel. Wenn du jedoch nur 2 Minuten in der Sonne aufhältst, ist deine Haut danach gerötet. Die Hitze hier kann überhaupt nicht mit der aus Europa verglichen werden. Costa Rica liegt sehr nahe beim Äquator. Die Sonne geht schon um fünf Uhr morgens auf und um 5 Uhr Nachmittags unter. Die Sonne verhält sich wie in einem Trickfilm, sie geht blitzschnell auf. Was mir an San José zudem sehr gefallen hat, sind die vielen Bäume und Blumen an den Strassenecken. Eine grüne Stadt. Ich persönlich fand die Leute hier sehr hübsch, sehr speziell aber sehr hübsch.
Die kleine Tochter der Familie ist eines Abends im Auto auf meinen Knien eingeschlafen. Die Familie nennt mich ADA, obwohl ich eigentlich Adrienne oder Adriana heisse. Den ganzen Abend rufen sie mich ada ada ada ada, ich finde es lustig.

In der Schule geht es sehr lustig zu und her, die Lehrer benutzen geniale Methoden für den Unterricht. Das Ziel ist es, die Grammatik und das Vokabular immer mit den Fortschritten im Mündlichen im Gleichgewicht zu halten. Und das funktioniert soweit sehr gut. Die Lehrer sind einzigartig, phänomenal! Es gibt sogar ein Ehepaar aus der Schweiz an der Schule, mit denen ich aber immer auf Spanisch kommuniziere – die Philosophie der Schule. Jedoch gibt es immer wieder Junge, die auf Englisch kommunizieren, und die Philosophie der Schule missachten. Mit mir in der Klasse studiert zudem ein Typ aus Schweden und – das muss ich jetzt einfach gesagt haben – er ist unglaublich hübsch, was man aber nicht auf alle schwedischen Männer verallgemeinern kann. Aber er ist der reine Wahnsinn!
Und da gab es noch einen Amerikaner in unserer Klasse, er sprach wirklich viel, und das während dem Unterricht. Der Lehrer musste ihn mehrmals um Aufmerksamkeit bitten. Jeden Tag nach der Schule, nach fünfeinhalb Stunden Kurs und Konversation, habe ich an einem Tanzkurs teilgenommen. Ich habe die ersten Schritte in Salsa, Merengue und anderen Tanzstilen kennengelernt. Der Tanz, sehr wichtig in diesem Land! Ich liebe es! Mein Lehrer war der Meinung, dass ich eine sehr gute Tänzerin sei...


So lebt es sich in San José...

Das wenigste, das sich über San José sagen lässt ist, dass die Leute sehr gesund leben (denkt man wohl anfangs nicht), aber wahrhaftig, die Leute leben hier sehr gesund. In den Gastfamilien meiner Mitstudenten esse man anscheinend sehr viel, zu viel! So zum Beispiel gibt es für das Frühstück Reis, Eier und Tortilla. In meiner Gastfamilie aber, beginnen wir das Frühstück oft mit Früchten und Gemüse. Ich habe nicht ein einziges Mal zweimal dieselbe Frucht gegessen, die Auswahl ist so gross! Einfach unglaublich. Wir machen auch viel Sport mit dem Papa Tico. Die Ticos, so nennt man die Einwohner aus Costa Rica. Café ist das einzige, was hier nicht wirklich gut ist. Café mit Wasser, oder so ähnlich. Mama, die Patisserien hier würden dir schmecken. Ich mag sie nicht sonderlich essen, es ist zu heiss hier. Die Kuchen werden hier nicht nur in allen verschiedenen Farben hergestellt, sie sind auch übergross. Und die Biscuits sind mit einer 2 cm dicken Zuckerschicht überzogen. Wer also nach den Ferien nicht wie ein Schneemann enden möchte, der sollte diese satte Zuckerschicht besser wegkratzen.

Ich fühle mich hier richtig frei. Man lebt ohne Haartrockner, ohne Make-Up ja sogar ohne warmes Wasser (für mich ist das Wasser hier nicht warm, andere hingegen empfinden es als warm).
Das Geld fliesst mir hier durch die Finger wie nichts, vor allem an der Schule. Unglaublich. Man gibt automatisch viel Geld aus. Was das Leben hier betrifft, hat mir Mama Tica viel geholfen. Sie hat mir gezeigt, wo sich die günstigen Einkaufsläden befinden, wo man Geld einsparen kann und noch vieles mehr. Ich konnte dem touristischen Leben nun endgültig ein Ende setzen. Meine Gastfamilie war mehr als gastfreundlich, ich habe viel von ihnen gelernt.

Ach ja, bevor ich es vergesse, meine lieben Grossmütter. Mama Tica hat sich nach meinem Zivilstand erkundigt. Wie ihr wisst, liegt es in meiner Natur, nicht an einen Mann gebunden zu sein. Meine Mama Tica antwortete daraufhin, sie wolle mir einen Freund finden, das gelte in diesem Land als üblich. Na dann! Ich halte euch auf dem Laufenden! ;)

Ada aber geht es super. Die Zeit vergeht super schnell, das Ende naht. Eduard würde sagen, noch schnell ein Bier und ich komm’ wieder.

Also dann, bis zum nächsten Mal liebe Leute. Ich denke fleissig an euch (auch wenn mein Kopf im Moment voll ist mit Spanisch).

Aus der Fremde, die gebräunte und müde: Ada.


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