5 Monate an der Gold Coast
DavidWo soll man beginnen wenn man von einer extraordinären Erfahrung eines Sprachaufenthaltes spricht… Also am Besten beginne ich ganz vorne…
März 2004
Ich habe schon immer Lust gehabt, nach Australien zu reisen und vielleicht einen Teil meines Lebens dort zu verbringen.Nachdem ich im Juli meine Ausbildung beendet habe, wurde der Wunsch immer stärker, für einige Monate nach Australien zu reisen. In einem Café habe ich einer Freundin von mir mitgeteilt, dass ich bald meine Reise organisieren werde. Wir haben uns dann entschieden, zusammen zu verreisen. Alles ging sehr schnell. In der folgenden Woche haben wir bei ESL die Sprachreise organisiert.
Wir haben uns entschieden in Surfers Paradise an der Gold Coast einen Cambridgekurs an der Schule QCE (Queensland College of English) zu absolvieren. Der perfekte Ort für zwei Nachtschwärmer wie wir, die gerne die Nächte mit einem guten Bier in Diskotheken verbringen:)
Dezember 2004
Die ReiseUmso mehr sich der Tag der Abreise näherte, desto nervöser und aufgeregter wurden wir. Man muss gleichzeitig an vieles denken. Nicht nur an eine unvergessliche Abschiedsparty mit seinen besten Freunden, sondern auch an das was man alles in seinen Koffer packen möchte.
Der Tag der Abreise war komisch und unbeschreiblich. Ich habe mir diesen Tag sehr stressig vorgestellt. Marion (meine Freundin, mit der ich den Sprachaufenthalt absolvieren werde) und ich sind an diesem Tag zum letzten Mal ins Gymnasium von Burier gegangen und haben uns von unseren Freunden verabschiedet. Und dann ging es in Richtung Flughafen von Genf.
In Genf angekommen hat mir Marion mitgeteilt, dass unser Flug nach Paris aufgrund eines Schneesturms annuliert wurde. Das war wirklich nicht lustig! Zum Glück durften wir das Billet wechseln und sind zwei Stunden später nach London abgeflogen.
Mit unseren zwei Familien sind wir noch zum letzten Mal Essen gegangen. Die Zeit um Abschied zu nehmen war gekommen... Ohne ein Wort. Kurz und bündig. Das war super schwierig!
Die richtige Reise hat dann erst begonnen. Der Flug von Genf nach London war sehr kurz, denn es war erst der Anfang einer langen Reise! In der englischen Hauptstadt haben wir 3 Stunden auf den uns noch bevorstehenden längsten Flug nach Osaka (Japan) gewartet. Es ist schlimm 13h30 unbeweglich im Flugzeug zu sitzen und nicht schlafen zu können. Aber zum Schluss ist alles gut gelaufen. In Osaka hatten wir nochmals 7 Stunden Aufenthalt. Wir sind dort einem Paar begegnet, das sich auf der Reise nach Neuseeland befand und die fast gleich lange warten mussten wie wir. Es war lustig und sympathisch mit den beiden zu sprechen. Wir haben über die Reisepläne gesprochen. Wir haben überhaupt nicht gemerkt, wie schnell die Zeit verging.
So gegen 21h10 sind wir dann schon im Flugzeug nach Brisbane gesessen. Nach 9 Stunden Flug sind wir total müde und erschöpft auf der grossen Insel angekommen.
Es war unglaublich als wir aus dem Flugzeug ausgestiegen sind… Die Luftfeuchtigkeit war ähnlich wie in den Tropen und die Temperatur betrug fast 30° Grad. Und das alles Mitte Dezember! Endlich am Ziel!
Endlich da!
Am Ausgang des Flughafens hat uns ein Bus abgeholt und uns direkt zur Gastfamilie gebracht. Der Bus stoppte in einer Sackgasse am Ufer eines kleinen Flusses. Um uns herum gab es schöne Gärten mit Blumen und in den Bäumen hörte ich Papageien singen. Ich kam mir vor wie in einem Traum. Nachdem der Bus abgefahren war (Marion und ich haben uns entschieden nicht in der gleichen Gastfamilie zu wohnen), wurde ich vom Vater meiner Gastfamilie freundlich begrüsst. Ich habe dann sofort eine Morgendusche genommen und meine Sommerkleider angezogen! Im Wohnzimmer hatten wir einen schönen Ausblick auf den Garten, das Jacuzzi und den Swimmingpool. Ich wusste vom ersten Moment an, dass ich super Glück hatte mit der Familie. Sie waren einfach sympathisch! Am Nachmittag habe ich Marion abgeholt und wir haben einen langen Spaziergang am Strand unternommen. Zuhause wieder angekommen bin ich per Zufall zwei Studenten begegnet, die in der gleichen Familie wie ich gewohnt haben. Eine Japanerin und ein Brasilianer. Die beiden sind für mich in den kommenden Wochen wie Bruder und Schwester geworden.
Ein bisschen später habe ich die Mutter und ihren zehn jährigen Sohn kennengelernt. Es war wirklich eine unglaublich liebe Familie. Noch heute, nach eineinhalb Jahren, schreibe ich ihnen regelmässig Emails oder ruf die Gastfamilie ab und zu an.
Die ersten Tage vor Ort
In den ersten beiden Tagen sind wir an den Strand von Broadbeach gefahren und haben das Pacific Fair (das grösste Einkaufszentrum von Queensland) besichtigt. Am dritten Tag sind wir zum ersten Mal in die Schule gegangen. Nachdem wir einen Einstufungstest absolviert haben, wurden wir für die zwei Wochen Standardkurs in zwei verschiedene Sprachniveauklassen eingeteilt.
Freunde zu haben heisst auch Partys zu feiern! Schon in der ersten Schulwoche haben wir fast jeden Abend die Korken knallen lassen. Gefeiert bis ins Morgengrauen. Sei es in Diskotheken von Surfers Paradise und Broadbeach oder im Appartment von unseren Freunden! Die Leute in diesem Land sind wirklich herzlich. Ich habe mich gefühlt, als wohnte ich schon seit einer Ewigkeit hier...
Schule, Schüler und Lehrer...
Die Schule war genial. Auch das Schulpersonal fand ich super symphatisch. Einige Lehrer nahmen sogar an den “kleinen” Studentenfesten teil ☺ Die Klassenzimmer waren klimatisiert. Die Atmosphäre hinter den weissen Mauern war immer angenehm.
Jedes Wochenende bot die Schule den Studenten Ausflüge in die wunderschöne Gegend der Gold Coast. Einige der Wochenendexkursionen waren ein Muss, so zum Beispiel der Ausflug zu den Fraser Island oder Byron Bay (geht unbedingt mit vielen Freunden dorthin, ihr werdet dann schon verstehen warum), eine Kayakfahrt zwischen den vielen Inseln von Southport und natürlich Schnorcheln. Die Aktivitäten trafen genau meinem Geschmack!
Weihnacht und Neujahr
In der dritten Schulwoche haben wir uns bei 37°Celsius auf Weihnachten eingestimmt. Eine lustige Erfahrung!!! Am Mittag ass ich mit der Gastfamilie und mit meinen brasilianischen Freunden auf der Terrasse ein grosses BBQ und am Abend lud uns ein Freund in sein riesengrosses Swimmingpool ein. Und als wir uns gegenseitig von unseren Familien erzählt haben, kam eine nostalgische Stimmung auf...
Das Neujahr feierten wir am Strand. An der Schule haben wir direkt nach Neujahr den Cambridgekurs begonnen. Trotz den Anforderungen, der der Kurs uns stellte, fühlten wir uns unterfordert. Die Lehrkräfte rieten uns zu den gleichen Konditionen die Schule und die Stadt zu wechseln. Trotz des guten Angebotes entschieden wir uns an der Surfers Schule zu bleiben, den FCE Kurs zu beenden und dann aber die CAE Prüfung zu absolvieren.
Wieder in der Schule
In den darauffolgenden Wochen mussten wir viele Zwischentests absolvieren. Am Anfang war es für mich wie ein unerklimmbarer Gipfel. Aber ich habe mich dann ziemlich schnell daran gewöhnt. Um die mündlichen Kenntnisse zu verbessern sind wir mit den Lehrkräften meistens in einen Coffee Shop ganz in der Nähe gegangen. Wir konnten in einer entspannten Atmosphäre das in der Schule Gelernte in die Praxis umsetzen. Denn das was man in der Schule lernt ist nur Theorie. Schlussendlich hängt es von dir selbst ab wieviele Fortschritte du in der Sprache machst. Das Gute an einem Sprachaufenthalt ist, dass man die Umgangssprache des Landes lernt. An meinem Dialekt merkt man jetzt, dass ich in Australien war und nicht in England! Den Dialekt einer Sprache zu beherrschen kann grosse Wirkungen haben, und das sage ich nicht nur so, sondern ich spreche aus Erfahrung!
Mein Leben in der Gastfamilie
Ich habe die Zeit bei meiner Gastfamilie sehr genossen. Alles ist super gelaufen. Nach 5 Wochen aber habe ich dann die Unterkunft gewechselt und bin mit 5 Mitstudenten in ein grossartiges Appartment gezogen. Es war ein Traum!! Ich habe pro Woche nur 80 AUD bezahlt, was will man mehr? Dort habe ich 3 Monate mit Marion, einem Franzosen, einem Australier, einer Brasilianerin und einem Brasilianer gelebt. Mir blieb nichts Anderes übrig als Englisch zu sprechen! Ehrlich gesagt finde ich das Zusammenleben mit anderen Studenten die beste Möglichkeit um auch zu lernen, was Respekt und Achtung heisst. Was nicht immer einfach ist, wenn alle zu verschiedenen Zeiten nach Hause kommen und einige sogar in der Nacht arbeiten. Es lohnt sich wirklich, die Unterkunft mit Mitstudenten zu teilen. Die Mitbewohner sind während des Aufenthaltes die Bezugspersonen aber auch deine Freunde, was in meinem Fall so war.
Die Einweihungsparty in unserem neuen Zuhause haben wir mit ungefähr 20 Mitstudenten und unseren australischen Mitbewohnern gefeiert. Es war einer der schönsten Abende zuhause. Ich habe viele Einheimische in meinem Alter getroffen.
Die Abschlussreise
Nach dem Cambridgekurs und den letzten Prüfungen sind wir noch 2 Wochen in Surfers geblieben. Es war uns bewusst, dass die Abreise schwierig sein wird, darum haben wir den Moment so lange als möglich rausgezögert.
Das letzte Wochenende an der Gold Coast haben wir mit zwei Freunden, die an der Sunshine Coast studiert haben, verbracht. Wir haben gefeiert wie die Verrückten! Am nächsten Morgen sind Marion und ich um 5 Uhr morgens aufgestanden und haben den Flug nach Melbourne genommen, während unsere Freunde noch am Strand weiter gefeiert haben…
In Merlbourne bezogen wir ein Zimmer in einem Hostel und haben uns anschliessend zu Fuss die Stadt besichtigt. Für mich ist es eine der schönsten Städte Australiens. In den letzten Tagen haben wir den Zoo, die National Art Gallery, die Docks und den Victoria Market besucht und eine kostenlose Tramtour durch das ganze Stadtzentrum unternommen.
In der Stadt Canberra blieben wir als nächstes. Die Fahrt bis nach Canberra dauerte circa 8 Stunden. Wir sind bis am nächsten Morgen dort geblieben. Die Nacht haben wir mit verrückten Autstraliern verbracht!
Nach einer sieben stündigen Carfahrt sind wir dann endlich in Sydney angekommen. Geschlafen haben wir im Hostel Wake Up!, ganz in der nähe der Central Station. Es war klasse! Das erste was wir in Sydney besichtigt haben, war das Opera House. Am Abend habe ich erfahren, dass mein ehemaliger Mitbewohner aus Frankreich auch in Sydney ist. Er hat dort in Sydney ein Mädchen kennengelernt! Wir haben uns anschliessend am Bahnhof getroffen und sind dann zusammen zum Hafen gelaufen. Diesen Abend werde ich nicht vergessen…mehr möchte ich nicht erzählen ☺ !!!
In dieser magischen Stadt wurde es uns nie langweilig. Wir haben das Aquarium besichtigt, eine wunderschöne Stadtbesichtigungstour gemacht, China Town besucht und vieles mehr!
Nach Sydney sind wir nach Newcastle (in die Bretagne), nach Port Macquarie (sehr schön, perfekter Ort um zu feiern), Brisbane (man sollte am Wochenende dorthin gehen, ganz nah bei der Gold Coast), Noosa an der Sunshine Coast (es ist unüberträfflich, es lohnt sich wirklich), Airlie Beach (Ausgangspunkt um Kreuzfahrten zu den Withsunday Islands zu unternehmen, Schnorcheln, Tauchen) und dann nach Cairns gefahren.
Ganz am Schluss unserer Reise sind wir noch einmal an die Gold Coast zurückgekehrt und haben die letzten Tage mit unseren ehemaligen Mitbewohnern verbracht.
Ich hätte nie gedacht, dass Abschied nehmen so schwer sein kann, aber der letzte Abend war wirklich schlimm für mich… Es wurde mir dann bewusst, dass ich den Leuten denen ich hier begegnet bin und mit denen ich einen wichtigen Teil in meinem Leben verbracht habe, nicht mehr so schnell begegnen werde. Der Traum nahm langsam ein Ende und es ist Zeit in der Schweiz aufzuwachen und dorthin zurückzukehren wo alles begonnen hat...
